Die Coronapandemie als Treiberin von Ungleichheit

Präsentation des neuen Sammelbandes „Ein Jahr Corona: Ausblick Zukunft der Arbeit“ aus der Reihe „Sozialpolitik in Diskussion“ der Arbeiterkammer Wien, mit u.a. Lukas Schlögl.

Wann: Mittwoch, 9. Juni, 16:30 – 18:00 Uhr

Wo: online via Zoom (Registrierung unter office@forba.at)

In einem neu erschienen Sammelband* setzen sich Autor*innen unterschiedlicher Disziplinen mit der Zukunft der Arbeit vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie auseinander. Dabei zeigt sich, dass die weit verbreitete Ansicht, das Virus treffe alle gleich, in keiner Weise stimmt. Im Gegenteil: Am stärksten betroffen sind Menschen, deren soziale Position im gesellschaftlichen Gefüge „eher unten“ angesiedelt ist und die über geringe Ressourcen zur Bewältigung der aktuellen Verwerfungen verfügen. Im Rahmen des FORBA-Fachgesprächs freuen wir uns auf die Präsentation und Diskussion zweier Texte. Silvia Hruška-Frank, die Leiterin der Abteilung Sozialpolitik der AK Wien, wird darüber hinaus einen Kommentar zur Publikation geben.

Eine Veranstaltung der FORBA (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt) im Rahmen der FORBA Fachgespräche.

 

Programm:

Ursula Filipič, Annika Schönauer:
Einführung und Überblick über die Beiträge des Bandes durch die Herausgeberinnen

Agnes Fessler, Hajo Holst, Steffen Niehoff:
Corona und die Arbeitswelt der Zukunft: Von der gesellschaftlichen (Un-)Sichtbarkeit des Leidens an der Pandemie

Der Beitrag beschäftigt sich anhand des in Deutschland durchgeführten Arbeitswelt-Monitors „Arbeiten in der Corona-Krise“ mit den Arbeitserfahrungen verschiedener Erwerbsklassen in der Pandemie. Trotz der Unterschiede in der Wirtschaftsstruktur und im politischen Umgang mit COVID-19 in Österreich spricht einiges dafür, dass vergleichbare Ungleichheitsdynamiken in Österreich zu beobachten sind. Es wird deutlich: COVID-19 verstärkt bestehende Klassenungleichheiten. Die subjektiven gesundheitlichen Risiken, die wirtschaftlichen Lasten und der Zugang zum mobilen Arbeiten weisen ausgeprägte vertikale und horizontale Klassenungleichheiten auf. Die Benachteiligung gegenüber den jeweiligen oberen Klassen, verbreitete Ohnmacht, auch in Pandemiezeiten kaum Einfluss auf die eigene Arbeitssituation nehmen zu können, und gesellschaftliche Unsichtbarkeit der eigenen Erfahrungen bilden in den unteren Klassen einen gemeinsamen Erfahrungshorizont. Doch auch die Corona-Erfahrungen der unteren Klassen sind fragmentiert. Dienstleistende erleben COVID-19 häufiger als Gesundheitsgefährdung, Produktionsarbeitende und Kleingewerbetreibende als Wirtschaftskrise und Bürokräfte als Treiber mobilen Arbeitens. Die Fragmentierung des Erlebens der Pandemie erschwert Solidarisierungsprozesse unter den Klassen.

Lukas Schlögl:
Covid-19 als „großer Ungleichmacher“: Die Krise der Arbeit und ihre globalen sozialen Folgen

Die COVID-19-Pandemie löste eine Krise der Erwerbsarbeit aus. Laut Schätzungen der ILO reduzierten sich im zweiten Quartal 2020 die globalen Arbeitsstunden um 14 %; in vielen Ländern wurde die Schließung aller bis auf „systemerhaltende“ Arbeitsplätze angeordnet. Die Folge ist eine Verschlechterung des Lebensstandards für viele Betroffene besonders in Ländern des Globalen Südens mit schwach ausgeprägter Sozialstaatlichkeit. Begleitet wird diese Krise der Arbeit von einer Verschiebung im Verhältnis von Arbeit und Technologie. Die Pandemie führte zu „Hyper-Digitalisierung“ und zu neuen, technologisch verstärkten sozialen Ungleichheiten. Die Möglichkeit von Telearbeit bleibt aufgrund unterschiedlicher technologischer Kapazitäten und Beschäftigungsstrukturen global jedoch sehr ungleich verteilt. Beschäftigte in Entwicklungsländern sind nicht nur mit einer Wirtschaftsrezession und steigender Armut, sondern längerfristig mit Herausforderungen durch die Rückholung ausgelagerter Produktion konfrontiert. Politisch stehen aktuell Maßnahmen der Unternehmensstützung und des Arbeitsschutzes im Zentrum; es bedürfte aber stärkerer Maßnahmen der internationalen Solidarität.

Silvia Hruška-Frank:
Kommentar zum Sammelband

 

Die Vortragenden:

Agnes Fessler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Wirtschaftssoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück.

Ursula Filipič ist Politologin und Referentin in der Abteilung Sozialpolitik der AK Wien.

Hajo Holst ist Professor für Wirtschaftssoziologie an der Universität Osnabrück.

Silvia Hruška-Frank ist Juristin und Leiterin der Abteilung Sozialpolitik in der AK Wien.

Steffen Niehoff ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wirtschaftssoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück.

Lukas Schlögl ist Universitätsassistent im Bereich Vergleichende Politikfeldanalyse am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.

Annika Schönauer ist Arbeitssoziologin bei FORBA und forscht u.a. zu Digitalisierung und Zukunft der Arbeit.

 

Anmeldung:

Dieses FORBA-Fachgespräch wird über die Plattform Zoom abgehalten.
Bitte melden Sie sich unter office@forba.at an, um den Teilnahmelink zu erhalten.
Dieser wird Ihnen zeitnah zur Veranstaltung per E-Mail zugeschickt.