Forschungsprojekt Agonistische Kulturpolitik (AGONART) – Fallstudien zur konfliktiven Transformation von Kulturstandorten

Das Forschungsprojekt „Agonistische Kulturpolitik (AGONART) – Fallstudien zur konfliktiven Transformation von Kulturstandorten“ versteht sich als interdisziplinärer Beitrag im Bereich der anwendungsorientierten sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung in Politikwissenschaft (mit Schwerpunkt auf Kulturpolitik) und politischer Theorie (mit Schwerpunkt auf Konflikttheorie und sog. agonistischer Demokratietheorie). Die empirische Fallstudienarbeit in drei ausgewählten österreichischen Städten (Wien, Graz und Linz) untersucht deren lokalspezifische Kulturpolitik, um jeweils ähnliche oder divergierende Logiken, Handlungsmaximen, Leitwerte und Zielsetzungen zu identifizieren. Im systematischen Vergleich zwischen den Städten erstellt das Projekt AGONART einen Überblick über kulturpolitische Steuerungsmechanismen städtischer Kulturpolitiken in Österreich. Das Projekt geht davon aus, dass diese Kulturpolitiken in einem Verhältnis ‚konfliktueller Kooperation‘ zu Akteuren der Kunst- und Kulturszene stehen. AGONART skizziert somit Entwicklungen des vielschichtigen Handlungsfelds der Kultur als Terrain für die Aushandlung gesellschafts- und demokratiepolitischer Beteiligungsformen. Über den spezifischen geographischen und zeitgeschichtlichen Kontext Österreichs hinaus erarbeitet das Projekt AGONART aus dem empirischen Datenkorpus (bestehend aus qualitativen Interviews, Feldbeobachtungen, Dokumenten) eine konzeptuelle Weiterentwicklung zentraler Begriffe politischer Konflikt- und Demokratietheorie (insbesondere der Konzepte ‚Antagonismus‘ und ‚Agonismus‘).

Basierend auf der Annahme, dass Städte privilegierte Aushandlungsarenen von demokratischer Teilhabe, Vergemeinschaftung und der Herausbildung politischer Identitäten sind, soll empirisch erforscht und theoretisch verarbeitet werden, wie die Verschiebung (kultur-)politischer Prioritäten Konflikte generiert, in denen unter anderem der demokratiepolitische Sinn und Zweck von Kulturpolitik neu verhandelt wird. Dabei bilden sich kulturpolitische Konflikte nicht nur in öffentlichen Debatten ab, sondern auch in den Strategien, die Kulturschaffende sowie EntscheidungsträgerInnen aus Kulturpolitik und -verwaltung einsetzen. Die COVID-19 Pandemie hat dabei die Vulnerabilität des Sektors und dessen strukturelle Probleme offengelegt und unterstreicht die Relevanz des Forschungsprojekts.

Eine konkrete Analyse aktueller kulturpolitischer Allianzen und PartnerInnenschaften in österreichischen Städten ermöglicht somit nicht allein eine aktuelle Bestandsaufnahme der kulturpolitischen Landschaft Österreichs, sondern lässt auch demokratietheoretisch fruchtbare Erkenntnisse bezüglich der Einsatzpunkte solch ‚konfliktueller Kooperation‘ zwischen Kulturschaffenden und EntscheidungsträgerInnen in Politik und Verwaltung erwarten. Diese Erkenntnisse könnten helfen, über ein allzu eindimensionales Verständnis von politischer Partizipation hinauszukommen und ein agonistisches Modell ‚konfliktueller Kooperation‘ zu entwickeln, das über die österreichischen Fallstudien hinaus gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Laufzeit: Dezember 2020 – August 2022

Gefördert durch: Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank OeNB 

Forschungsteam

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Oliver Marchart

Post Doc Forscherin: Anke Schad-Spindler, PhD
Prae Doc Forscherin: Stefanie Fridrik, BA BA MA

Wissenschaftliche Beratung: Ass. Prof. Dr. Friederike Landau (Universität Nijmegen) 


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